Geplante Kinderkrippe polarisiert
Mi, 10. Juni 2009

AvU 9. Juni 2009

Am 18. Juni wird an der Gemeindeversammlung über die Realisierung einer Krippe entschieden. Im Vorfeld beziehen die Parteien Stellung: Was bewegt, sind Kosten und Trägerschaft. - Mirjam Schwaller

Das Kinderkrippenprojekt polarisiert. Im Weisungsbüchlein zur Gemeindeversammlung empfiehlt die Rechnungsprüfungskommission (RPK), den Antrag auf einen jährlich wiederkehrenden Betriebskredit von 135 000 Franken abzulehnen. Ihre Begründung: Die jährlichen Betriebskosten entsprächen rund zwei Steuerprozenten. «Dies ist zu viel», findet RPK-Präsident Roland Hasler mit Blick auf die finanziellen Verhältnisse Mönchaltorfs. Allerdings räumt er ein, dass die RPK den finanziellen Aspekt losgelöst von anderen Entscheidungsfaktoren betrachte. So betont er, dass eine Krippe, sozial gesehen, «unbestritten ein Muss für jede Gemeinde» sei.

SVP: «Kosten sind zu hoch»

Charles Weber, Präsident der örtlichen SVP, vertritt grundsätzlich dieselbe Meinung wie die RPK. «Wir sind nicht begeistert von diesem Projekt.» Die Kosten seien zu hoch, begründet er seine ablehnende Haltung. Auch er nimmt jedoch «zähneknirschend zur Kenntnis», dass gemäss Bedarfsanalyse Nachfrage nach einer Krippe besteht.
Grundsätzlich ist er - ebenso wie die FDP - der Meinung, dass es vorerst die Aufgabe der Eltern sei, ihre Kinder zu betreuen. FDP-Präsident Heinz Zürcher präzisiert: «Wir erkennen aber an, dass dies nicht allen Eltern möglich ist.» Die FDP wolle die gesellschaftlichen Ver- änderungen nicht bejammern, sondern vielmehr «für die neue Lage brauchbare Lösungen bereitstellen, also - nebst anderen Massnahmen - Betreuungsplätze für Kleinkinder schaffen.»
Beiden Parteipräsidenten ist es ausserdem ein Dorn im Auge, dass die Krippe als Gemeindebetrieb geplant ist. «Die Gemeinde trägt das volle Risiko», gibt Charles Weber zu bedenken.

FDP: Unterstützung trotz Bedenken

Auch Heinz Zürcher sowie Gemeindepräsidentin Annemarie Beglinger hätten eine private Trägerschaft begrüsst: «Es entspricht meiner Grundüberzeugung, dass möglichst viele Organisationen selbstverantwortet sind», sagt Beg-linger. Die Gemeinde habe im Vorfeld abgeklärt, ob sich aus einer Interessengemeinschaft eine Trägerschaft bilden könne. Dass dies nicht möglich war, bedauert Beglinger. Heinz Zürcher räumt jedoch ein: «Wenn man ernsthaft vom Nutzen einer Krippe überzeugt ist, muss man realistischerweise eine Trägerschaft der Gemeinde akzeptieren.» Anders als die SVP unterstützt die FDP deshalb das Projekt.

SP: «Das ist gut investiertes Geld»

Unterstützung erhält das Krippenprojekt auch von der örtlichen SP: «Der SP-Vorstand stimmt der Realisierung einer Krippe zu», sagt SP-Präsidentin Annemarie Portmann Schwander. In Bezug auf die finanziellen Folgen des Projekts betont sie: «Das ist gut investiertes Geld. Hier geht es um Kinder und um die Gleichberechtigung aller Eltern, auch jener, bei denen beide Elternteile arbeiten müssen. Die Gemeinde profitiert von diesen Investitionen, unter anderem durch Mehreinkommen der Eltern.» Allerdings befürworte die SP vor allem eine deutschsprachige Krippe. «Der englischsprachigen Leiterin, die im Konzept vorgesehen ist, stehen wir eher skeptisch gegenüber - vor allem im Hinblick auf fremdsprachige Kinder. Wir erachten es als sehr wichtig, dass die Kinder schon vor der Einschulung Deutsch lernen.»
In der öffentlichen Trägerschaft sieht Portmann Schwander Vorteile: «Mit der Gemeinde als Betreiberin ist sichergestellt, dass alle Anforderungen an eine Krippe, wie Betreuung, Ausbildung oder Löhne, eingehalten werden.» 


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